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Chronobiologie- und Lichtprojekt

Berichterstattung in der örtlichen Zeitung:
Quelle: Schwäbische Zeitung 29.12.2018

Im Arbeitsalltag ohne Wecker auskommen - geht das?

Wenn es nach Chronobiologen geht, lässt sich die Menschheit in zwei große Kategorien einteilen: Frühaufsteher und Langschläfer. Oder - um negative Konnotationen zu vermeiden - Lerchen und Eulen. Würde ein Langschläfer gezwungen, in einer Frühschicht zu arbeiten oder ein Frühaufsteher dauerhaft für die Nachtschicht eingeteilt, könnte dies fatale Folgen für die Gesundheit und die Leistungsfähigkeit dieser Menschen haben. Bei der Späh Unternehmensgruppe in Scheer startet im Januar ein Projekt, bei dem 14 Mitarbeiter ihren eigenen Chronotypen entdecken und für sie passende Arbeitsbedingungen gefunden werden sollen.
Bei Lejla Späh laufen die Fäden dieses Projekts zusammen. Sie hat sich schon in der Vergangenheit als Gesundheitsmanagerin bei Späh intensiv mit den Bereichen Ernährung, Sport, Vorsorge und Rahmenbedingungen am Arbeitsplatz auseinandergesetzt. Als New Work Managerin blickt sie nun noch stärker in die Zukunft. „Angesichts des herrschenden Fachkräftemangels müssen wir uns immer weiterentwickeln, um ein lukrativer Arbeitgeber zu sein“, sagt sie. Nicht nur die Ansprüche der Kunden würden in der Art steigen, dass sie möglichst schnell beliefert werden sollen. „Auch die Mitarbeiter fordern eine gewisse Flexibilität ein.“
Erste Schritte seien bei der Späh Unternehmensgruppe durch die neuen Räume, Gesundheitsangebote und die Einführung von Gleitzeitmodellen – auch in der Produktion – bereits getan. „Wir müssen jetzt aber überlegen, wie wir möglichst umfassend für die Kunden da sein können, ohne dass wir unsere Mitarbeiter überfordern und sie zu viele Überstunden machen“, sagt Lejla Späh. Sie hat sich viel mit den zwölf Megatrends beschäftigt, die das deutsche Zukunftsinstitut definiert hat.
Forscher berät seit 15 Jahren. So ist sie auf die Chronobiologie und Michael Wieden gestoßen. „Der forscht und berät schon seit 15 Jahren die Chronotypen im Bereich des Personalmanagements und wie Arbeitsformen aussehen könnten, die diesen Typen gerecht werden“, sagt Späh. Das hätte bei der Unternehmerfamilie Späh dann alle sehr interessiert. „Es entstand die Vision, dass wir speziell für unsere Mitarbeiter ein Arbeitsmodell stricken könnten, das zu ihrer inneren Uhr passt“, sagt Lelja Späh.
Dazu müsse man aber zunächst herausfinden, welcher Typ ein Mitarbeiter tatsächlich sei. „Das ist nämlich nicht so einfach. Nur weil jemand beim Weckerklingeln nicht sofort topfit ist, heißt das nicht, dass es optimal für ihn wäre, erst um 12 Uhr mit der Arbeit zu beginnen.“
Viele halten sich für Langschläfer. Viele Menschen halten sich laut Wieden für einen Langschläfer, sind es in Wirklichkeit gar nicht. „Nur, wenn man über einen längeren Zeitraum ohne Wecker lebt, zeigt sich das richtige Schlafverhalten, das in uns steckt.“ Die betriebsinterne Studie, die bei Späh nun ab Januar startet, beginnt genau damit. Begleitet von Michael Wieden, der als externer Wirtschaftsförderer Bad Kissingen zur Chrono-City gemacht hat, dem Chronobiologen Dr. Thomas Kantermann und der Berliner Charité werden 14 Mitarbeiter ein halbes Jahr lang soweit wie möglich nach ihrer inneren Uhr leben und arbeiten. Alle Kandidaten haben sich freiwillig für das Projekt gemeldet und können jederzeit aussteigen. Sie haben ihren Chronotypen mittels eines Fragebogens bestimmt und verschiedene Bluttests machen lassen. „Nach einem halben Jahr wollen wir sehen, ob der veränderte Schlafrhythmus sich auf die Gesundheit ausgewirkt hat“, so Späh. Erstmals kommt auch ein neuer Test der Charité Berlin zum Einsatz, der anhand bestimmter Marker im Blut ableiten kann, ob die Textperson eine Eule oder eine Lerche ist und in welcher Ausprägung. „Das wird unseren Mitarbeitern aber erst am Ende der Studie verraten, um sie nicht zu beeinflussen.“ Überhaupt werde mit den Daten vertraulich umgegangen. „Völligen Einblick haben nur Wieden, Kantermann und Professor Achim Kramer von der Charité, die auch die Auswertung vornehmen“, sagt Lejla Späh. „Für die Geschäftsführung sind die Daten tabu.“
Auf den Wecker verzichten. Die Mitarbeiter werden ab Januar auf den Wecker verzichten. „Ausnahme sind natürlich wichtige berufliche oder private Termine.“ Sie führen künftig ein Tagebuch, in dem sie ihre Zu-Bett-geh- und Aufwachzeiten notieren, ob der Tag besondere Erlebnisse oder Aufregungen bereithielt und wie sich bei alldem fühlen. Alle sechs Wochen kommen sie zu einem Gruppengespräch zusammen und tauschen sich aus. „Das wird auch für uns spannend, zu sehen, wann jemand tatsächlich im Büro auftaucht und welche Probleme sich dadurch ergeben“, sagt Lejla Späh. Begleitet wird die Studie auch von Fernsehteams, die am Ende eine Dokumentation für die Sendungen „Terra X“ und „W wie Wissen“ produzieren werden. Auch die müssen vollkommen ergebnisoffen an die Sache herangehen. „Am Ende kann ein ganz neues Arbeitsmodell für unser Unternehmen stehen oder die Erkenntnis, dass wir nur in kleinem Umfang auf die Chronotypen eingehen können“, sagt Lejla Späh. Sie selbst will übrigens auch
künftig auf den Wecker verzichten, um das Erlebnis der Mitarbeiter besser nachvollziehen zu können.
Das Festival. Rund um das Thema Gesundheit dreht sich auch das erste Feel-Good-Festival der Späh Unternehmensgruppe am Sonntag, 17. März. Von 10 bis 18 Uhr können sich Interessierte in der Sigmaringer Stadthalle an verschiedenen Ständen informieren oder in so genannten „Active Areas“ mitmachen. Außerdem gibt es verschiedene Vorträge zu verschiedenen Themen der psychischen, geistigen und körperlichen Gesundheit. So wird etwa Michael Wieden unter dem Titel „Über das große Potenzial der Einbeziehung der Inneren Uhr in persönliche und gesellschaftliche Abläufe“ über die Eulen und Lerchen sprechen, die auch in der Studie bei Späh betrachtet werden. Ralf Lamprecht spricht über Darmgesundheit, Gabriele Eckerts Thema ist „Raus aus Schmerz und Stress“ und Alexandra Vogt thematisiert die „Haut als Spiegel der Seele“. Außerdem ist Dr. Ruediger Dahlke dabei, der über Peace Food sprechen wird. Der Eintritt zum Festival wird 18 Euro kosten.

Die Chronobiologie beschäftigt sich mit zeitlichen Rhythmen innerhalb des Körpers und deren Auswirkungen auf die Gesundheit, das Wohlbefinden und Verhalten des Menschen. Manche nennen sie auch die Lehre der inneren Uhr. Wie unterschiedlich die innere Uhr von Menschen ticken kann, dafür gibt es viele Beispiele und viele Studien. Die innere Uhr steuert unseren Schlaf-Wach-Rhythmus. Jede einzelne Zelle, jedes Gewebe, jedes Organ sowie der Gesamtorganismus besitzt ein molekulares Uhrwerk – egal ob in Leber oder Niere, Herz oder Darm, Immunsystem oder Haut. Es gibt, grob gesagt, zwei Typen der inneren Uhr:

Die Frühaufsteher (Lerchen genannt). Sie stehen schon früh morgens auf und sind sofort topfit. Und die Langschläfer (Eulen genannt), die auch abends noch hellwach sind und sich gut konzentrieren können. Der Organismus dieser Typen – also Stoffwechsel, Organtätigkeit, Konzentrationsfähigkeit – schwankt innerhalb eines Tages erheblich. Und damit auch die individuellen Leistungsphasen. Fatal für die Gesundheit wäre es, wenn ein Frühaufsteher in einer Nachtschicht arbeiten würde. Hier sind laut Studien psychische Krankheiten, chronische Krankheiten und Schlafprobleme vorprogrammiert. Deswegen ist es wichtig zu wissen, welcher Chronotyp man ist. Dies ist im ersten Moment gar nicht so eindeutig, da man dem Körper den Wecker antrainiert hat. Da uns dieses Thema als sehr wichtig erscheint und wir gerne eigene Daten hierzu erheben  möchten, werden wir mit Beginn des nächsten Jahres eine internes Projekt zu diesem Thema durchführen. Dieses Projekt wird durch den Chronobiologen Michael Wieden und die Charité Berlin betreut.

Begleitend werden wir in den Produktionsbereichen ein Projekt im Bereich Tageslicht durchführen. Hier werden wir an besonders dunklen Arbeitsplätzen mit speziellen Tageslichtlampen arbeiten. Diese Lampen sorgen dafür, dass an den jeweiligen Arbeitsplätzen tageslichtabhängige Lichtverhältnisse simuliert werden. Die Kolleginnen und Kollegen an diesen Plätzen werden in einem Zeitraum von 6 Monaten begleitet. So werden Bluttests und Befragungen durchgeführt. Beide Projekte werden durch den Hessischen Rundfunk und einem Team von TERRA X begleitet.

Wir werden an dieser Stelle in den nächsten Monaten über den Verlauf der beiden Projekte fortlaufend berichten.


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